Magnetschwebebahn «Transrapid»

100 Milliarden € verliert die deutsche Volkswirtschaft jährlich an in Verkehrsstaus vertrödelter Arbeits- und Lebenszeit. Veraltete Verkehrssysteme beeinträchtigen unsere Lebensqualität und unsere Gesundheit. Mit ihrem ausuferndem Flächenverbrauch, mit ihrer Lärm- und Gestankentwicklung wälzen sie sich rücksichtslos über jegliches Leben, das ihnen in den Weg kommt.

Die Technik für leistungsfähigere Transportsysteme von Waren und Menschen ist längst einsatzreif. Auch die organisatorischen Probleme beherrschen die Industrieländer schon lange. Dennoch haben sich die Kräfte, die auf dem Status quo beharren, bisher immer durchgesetzt. Die Gründe dafür sind äußerst vielfältig und reichen von simpler Technikangst bis hin zu bewußter Sabotage einer Höherentwicklung, die die Macht der herrschenden Kreise in Frage stellt.

Eines dieser modernen Transportsysteme ist die Magnetschwebebahn — bekannt unter dem Namen Transrapid. Trotz jahrzehntelanger Entwicklung und technischer Reife — wie sie noch nie zuvor in der Geschichte der Verkehrsmittel ein Prototyp erreicht hatte, bevor er produktiv zum Einsatz kam —, konnte sich die Magnetschwebebahn nicht durchsetzen. Den Gegnern gilt das als treffliches Argument, daß das System nichts tauge. In Wirklichkeit ist es nur der unumstößliche Beweis, daß der sog. Freie Markt auf dem Gebiet großflächiger Infrastruktur jämmerlich versagt. Legion sind die Zahl der Projekte, die nie über das Planungsstadium hinauskamen, oft nicht einmal das Planfeststellungsverfahren durchliefen.

Geschichte

Meilenstein Jahr
erste Patente 1933, 1934, 1935
Prototypen 04 bei Krauss Maffei in München-Allach: 1978; Teststrecke von 2,5 km
Teststrecke für Betriebsgeschwindigkeiten seit 1987 im Emsland: 35 km
einsatzreif seit 1991
im Regelbetrieb seit Dezember 2002 (30 km bei Schanghai)
Finanzierungsstop am 27.3.2008 verkündet durch Bundesverkehrsminister Tiefensee nach langen Finanzmauscheleien zwischen Herstellerkonsortium und öffentlicher Hand

Bewertung

Abgesehen von der geplanten Verlängerung der Strecke Schanghai-Pudong [上海 \ 浦东新区] (Transrapid — Maglev in China) bis Hangzhou [杭州] ist eine Kurzstrecke von München-Innenstadt bis Flughafen „Franz-Josef-Strauß“ z.Z. die einzige geplante Strecke, die noch nicht abgewürgt worden ist ( DB Projekt München).

[Aus der Neuen Solidarität Nr. 22-23/2006]

Tierschutz

Die Grünen haben mit ihrer systematischen Blockade von Zukunftstechniken der Umwelt weit mehr geschadet, als genützt. Die Frage, ob dies nicht heimliche Absicht der Hinterleute war, scheint mir nicht abwegig. Der Kommerz konnte von den Grünen nicht ernsthaft gebremst werden. Folglich wurden die Gemeinkosten für die Staaten höher und veraltete Technik bis an die Grenzen ausgereizt.

Man denke nur an den Frachtverkehr mittels Millionen motorisierter, bemannter Kutschen (sog. LkW), bunt gemischt mit dem Individualverkehr auf verstopften Autobahnen.

Ein dichtes Magnetbahnnetz würde wesentlich weniger Tieren das Leben kosten, als die LKW-Lawinen, die alles plattwalzen. Der Wildwechsel wäre nicht gestört, Käfer und Igel könnten unten durchkriechen. Der Blutzoll unter Fluginsekten und Vögeln wäre allerdings etwas höher, aber die waren bisher sowieso privilegiert.

Die Diskrepanz zwischen „Wollen“ und „Wirken“ der Umweltschutzfunktionäre ist schon frappant!

Anfang 2008: immer noch die alte Leier …

Zur sog. „Rettung“ irgendwelcher Spekulationsbanken sind Millarden € vorhanden, wo angeblich sonst überall das Geld knapp ist (was für ein Blödsinn, dem schlechten Geld noch gutes hinterher zu werfen!) — aber die 2 Milliarden € für die ersten paar Magnetbahnkilometer zum Münchner Flughafen kann man angeblich nicht erübrigen oder man glaubt, das Geld „sinnvoller” verwenden zu können (doch nicht etwa zur Finanzspekulation?).

In Kürze wird diese letzte Chance, Technologieführer zu werden, unwiederruflich verpaßt sein. Die japanische Staatsbahn [日本国有鉄道] hat angekündigt, für ihre neue Schnellstrecke von Tokio [東京] nach Nagoja [名古屋市] im eigenen Land entwickelte Technik einsetzen zu wollen, die überdies noch 20% schneller als das Transrapid-System sein wird. Und in Japan wird weiterführende Technik i.d.R. nicht von inkompetenten Politikern und Besserwissern zeredet, die sich hinter ihren vermeintlichen demokratischen Rechten verschanzen. Auch im europäischen Dänemark, das Deutschland durch seine Pionierleistungen im Brücken- und Tunnelbau an Meerengen beschämt, wird ernsthaft darüber nachgedacht, statt mit ebenfalls hohem Kostenaufwand klassische Schnellbahnstrecken zu errichten, gleich auf eine zukunftsträchtige Technik zu setzen.

Die gehirngewaschene deutsche Bevölkerung ist geistig außerstande, solche Konzepte auch nur ansatzweise zu erfassen. Anfang Februar traf ich auf eine Demonstration am Münchner Marienplatz, während der auf einem Plaket eine Magnetschwebebahn von München [慕尼黑] nach Peking [北京] gefordert wurde. Überstieg es offenbar schon den Horizont der Passanten, daß es überhaupt jemanden geben könne, der Magnetschwebebahnen fordert, schien ihnen dieser konkrete Vorschlag so außerweltlich, daß sie ihn für Satire hielten. Die Redner mußten mehrfach darauf hinweisen, daß sie es ernst meinten. »Pisa« hat tiefe Wurzeln geschlagen.

Andere wiederum konnten sich überhaupt nicht von der Frage lösen, ob die Veranstalter der Demonstration denn als ‚links‘ oder als ‚rechts‘ einzustufen seien: „Schubladisierung“ ist vielen anscheinend wesentlich wichtiger, als die Gestaltung der Zukunft. Die Vergangenheit kann man nicht mehr gestalten.

Im allgemeinen hält man sich an das bewährte Floriansprinzip {„Oh heiliger Sankt Florian, verschon' unser Haus, zünd' andere an!“}, man möge nicht behelligt werden. Eine Passantin war immerhin so ehrlich rund heraus zu bekennen, sie sei gegen diese Strecke, weil sie vor ihrem Haus vorbeiführe. Die vielen hochwertigen Arbeitsplätze, die durch den Neubau eines großen Netzes auf Dauer entstünden, sind den meisten wohl egal. Es langt ihnen anscheinend, wenn sie sich im Hamsterrad eines zeitgeistigen Dienstleistungsberufs abrackern dürfen. Außerdem lebt der Mensch bekanntlich vom Geld (wovon er nie genug kriegen kann), welches wiederum von den Banken kommt — produktive Arbeit erscheint da obsolet.

27. März 2008: der Letzte macht das Licht aus …

Alles Banane!

Das nichtvorhandene Geld ist jetzt frei, die Schwarzen Löcher des internationalen Finanzkasinos zu stopfen. Neigen wir unsere Häupter in Demut und freuen wir uns! Die Obrigkeit weiß schon, was gut für „uns“ ist.

Resignation

Beim (Nicht-)Aufbau eines Magnetbahnnetzes wurden Jahrzehnte verplempert. Eine alte Projektweisheit sagt: „Was zu lange dauert kann nie mehr was werden!“. Das wird wohl hier zutreffen. Um Sinn oder Unsinn geht es gar nicht mehr – nur noch um Rechthaben.

Jeder Gegner kann unwiderlegbar (aber trotzdem falsch) argumentieren: „20 Jahre hat keiner das System gekauft, also will es keiner“. Was aber keiner will ist in der Marktwirtschaft geradezu ein Symbol für ‘überflüssig’. Solange kein Paradigmenwechsel bei der Bewertung und Wahrnehmung von menschlichem Wirtschaften erfolgt, wird das so bleiben und jede weitere Diskussion ist Zeitverschwendung.

Verweise



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